Du bist mehr als Deine Schmerzen – Entdecke Dein Leben neu!

Schritt ins Leben ist ein wissenschaftlich fundiertes Coaching-Programm, das Menschen mit chronischen Schmerzen dabei unterstützt, durch bewährte psychologische Methoden wieder ein aktives und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Beginne die ersten Schritte auf der Reise, Experte für Dein eigenes Leben zu werden.

Hol Dir unseren Mini-Kurs:

Dein Kompass

Lebe ein Leben mit Sinn.

Trotz Schmerzen.

Von Betroffenen entwickelt. Von Experten wissenschaftlich fundiert.

Für Dich gemacht.

Kennst Du das auch?

  • Du planst Deinen Tag nur noch um die Schmerzen herum

  • Familie, Hobbys und Freunde rücken immer weiter in den Hintergrund

  • Du kämpfst täglich gegen die Schmerzen – und fühlst Dich trotzdem wie ein Verlierer

  • Ärzte und Therapeuten haben keine neuen Lösungen mehr für Dich

enjoying life

Es gibt einen anderen Weg!

Unser evidenzbasiertes Programm “Schritt ins Leben” basiert auf der wissenschaftlich anerkannten Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) und wurde speziell für Menschen mit chronischen Schmerzen entwickelt. Du lernst nicht, Deine Schmerzen zu bekämpfen, sondern trotz ihrer Anwesenheit ein erfülltes Leben zu führen.

Was Du mit unserem Programm erreichst:

• Mehr Lebensqualität bei gleichzeitig weniger medizinischen Behandlungen –

Unsere Teilnehmer berichten von 20% weniger Arztbesuchen

• Von “nur funktionieren” zu “wirklich leben” – Entdecke wieder, was Dir wichtig ist

• Praktische Werkzeuge für den Alltag: Achtsamkeit, Schmerzakzeptanz,

Stressmanagement

• Gemeinschaft mit anderen Betroffenen – Du bist nicht allein auf diesem Weg

Mein Schmerz

Verstehe Deinen Schmerz und lerne neue Umgangsweisen

Mein Körper

Baue wieder Vertrauen zu Deinem Körper auf

Mein Leben

Entwickle ein wertorientiertes, erfülltes Leben

Mach die ersten Schritte ...

Wichtig: Unser Programm ersetzt keine ärztliche Behandlung, sondern ergänzt sie sinnvoll. Du bleibst in der Behandlung Deines Arztes und baust zusätzlich Deine Lebensqualität auf.

Gideon Franck

Über Mich...

Gideon Franck, Entwickler von “Schritt ins Leben”, erhielt 2022 den Deutschen Schmerzpreis für Forschung und Schmerzmedizin. Als selbst Betroffener und psychologischer Psychotherapeut mit 20+ Jahren Erfahrung weiß er, wovon er spricht.

"Ich helfe Menschen mit langanhaltenden, chronischen Schmerzen, diese besser in den Griff zu bekommen und wieder Experte für ihr Leben zu werden, Vertrauen in den eigenen Körper aufzubauen, um so aktiv ein wertgeschätztes Leben leben zu können."

Gideon Francks innovativer Ansatz in der Schmerzbehandlung hat in der deutschen Schmerzmedizin-Community breite Anerkennung gefunden. Experten würdigen besonders seine Kombination aus wissenschaftlicher Expertise und persönlicher Betroffenheit sowie seinen wegweisenden Beitrag zur Entwicklung neuer Therapiekonzepte.

Neben SiL hat Gideon eine Praxis für Psychotherapie in Petersberg bei Fulda: https://www.psychotherapie-franck.de/

TESTIMONIALS

Stimmen zu Schritt ins Leben

"Perspektive über Grenzen hinaus"

"Viele Menschen mit sogenannten therapieschwierigen Schmerzen haben mit dem Programm ‘Schritt ins Leben’ eine Perspektive, wenn Schul- und Komplementärmedizin längst an ihre Grenzen gestoßen sind."

- PD Dr. M. Überall, Präsident der Schmerzliga e.V.

"Neue Facetten in der Selbsthilfe"

"Dank Gideon Franck hat der Stellenwert des ehrenamtlichen, selbsthilfebasierenden Engagements von Betroffenen für und mit Betroffenen eine neue Facette erhalten."

- Dr. J. Horlemann, ehem. Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin

"Gesundheitskompetenz entwickeln"

"Sein Programm ‘Schritt ins Leben’ hilft Schmerzpatienten dabei, ihre Gesundheitskompetenz im Umgang mit Schmerzen zu entwickeln und eigene Lösungen zu finden. Das ist echt präventologisch - Gesundheitsförderung für Kranke."

- Dr. Ellis Huber

Blog

Hier findest Du Informationen, Geschichten, Hilfe rund um das Thema chronische Schmerzen.

Familie

Schmerz & Familie - Reden wir eigentlich miteinander?

November 02, 2026•12 min read

Schmerz & Familie – Reden wir eigentlich miteinander?

25. Okt. 2026 · @Gideon Franck

Wenn der Schmerz am Abendbrottisch mitsitzt

Chronischer Schmerz betrifft nie nur einen Menschen. Er verändert Gespräche, Rollen und Nähe in der ganzen Familie – oft, ohne dass jemand es ausspricht. Genau darüber habe ich in meiner Podcastfolge mit Marianne Lüking gesprochen.

Marianne ist Psychologin und arbeitet seit Jahrzehnten mit Schmerzpatientinnen und -patienten. Sie war leitende Psychologin in der Schmerz-Tagesklinik der Uniklinik Freiburg, hat in eigener Praxis gearbeitet und ist heute am Helios Klinikum Gifhorn. Was ich an ihr besonders schätze: ihre Wärme, ihren Humor und ihren riesigen Erfahrungsschatz.

Eingestiegen sind wir mit einer Situation, die mir in Therapien und Coachings ständig begegnet. Eine Patientin, Ende 40, hat Schmerzen am ganzen Körper und die Diagnose Fibromyalgie. Sie schläft schlecht, ist dauernd erschöpft – und kämpft sich trotzdem eisern durch den Tag, damit zu Hause alles weiterläuft. Abends ist sie völlig leer.

Dann kommt die Familie nach Hause. Verständnis gibt es wenig. Ihr Mann sagt Sätze wie: „Du machst doch schon so viel für deine Schmerzen, jetzt muss es dir doch endlich besser gehen.“ Sie fühlt sich getroffen, zieht sich zurück. Und mit jedem dieser Abende wird zu Hause ein bisschen weniger geredet.

Vielleicht erkennen Sie sich darin wieder – als Betroffene oder als Angehöriger. Dann ist dieser Text für Sie.

Der unsichtbare Schmerzarbeitstag

Der Satz „Du machst doch so viel“ zeigt vor allem eines: wie wenig die Familie darüber weiß, was chronischer Schmerz eigentlich ist. Das ist kein böser Wille. Viele Betroffene wissen es anfangs selbst nicht genau. Sie haben gegoogelt, vielleicht eine KI gefragt, und sind trotzdem schnell am Ende ihres Lateins. Auch die gängige Definition – „chronisch ab drei Monaten“ – ist eine eher künstliche Grenze und erklärt wenig.

Marianne hält deshalb einen ersten Schritt für entscheidend: den anderen an der eigenen Lebenswirklichkeit teilhaben lassen. Wie die Diagnose heißt, ist dabei zweitrangig. Es geht darum, wie es mir im Inneren wirklich geht.

Denn in den Stunden, in denen die Familie aus dem Haus ist, passiert unglaublich viel. Marianne nennt es einen ganzen „Schmerzarbeitstag“. Da ist die äußere Arbeit – Haushalt, Erledigungen, Termine. Und da ist die innere Arbeit, die mindestens genauso anstrengt: mit dem Schmerz umgehen, die eigene Energie einteilen, Frust aushalten.

Viele kennen dieses Muster: An guten Tagen will man möglichst viel schaffen. Irgendwann klappt nichts mehr, und dann kommt die Enttäuschung. Von alledem bekommen die anderen kaum etwas mit. Sie sehen nur das Ergebnis am Abend – eine erschöpfte Partnerin, einen gereizten Vater.

Wer davon erzählt, schafft eine gemeinsame Basis. Erst dann sprechen beide Seiten überhaupt über dasselbe.

Warum Schweigen niemanden schont

Sich der Familie zu öffnen, ist ein großer Schritt. Marianne beschreibt sich selbst augenzwinkernd als „alte Preußin“, der das Herz nicht auf der Zunge liegt – sie musste das auch erst lernen. Wer früher alles geschafft hat, muss erst selbst akzeptieren, dass manches nicht mehr geht. Das dann noch anderen zu sagen, kostet zusätzlich Mut.

Zwischen Tür und Angel funktioniert so ein Gespräch nicht. Es braucht Zeit und einen bewussten Anfang, etwa: „Ich würde gern mit dir anschauen, wie es mir geht und wie sich unser Leben verändert hat.“

Warum sich das lohnt? Weil sonst ein Elefant mit durch den Raum läuft, über den keiner spricht. Unausgesprochene Gefühle stauen sich an, auf beiden Seiten. Das erzeugt Druck – und Druck kann Schmerzen verstärken. Gleichzeitig wird der Umgang miteinander unnatürlich, weil ein zentrales Thema aus Rücksicht ständig ausgespart wird. Gut gemeint, aber meistens kommt das Gegenteil dabei heraus.

Ein Satz, den Marianne oft hört: „Ich muss ja nichts sagen, die anderen sehen doch, wie es mir geht. Und jammern will ich nicht.“ Fragt man nach, woran die anderen es sehen, heißt es: „Ich gucke dann grantig oder ziehe mich zurück.“

Genau hier beginnt das Rätselraten. Angehörige spüren, dass etwas nicht stimmt. Ist es der Schmerz? Habe ich etwas falsch gemacht? Will sie Ruhe, will sie Nähe, will sie gar nichts von mir? Wer nicht zur Last fallen will und deshalb schweigt, macht den anderen paradoxerweise mehr Arbeit. Sie müssen sich ständig in einen hineindenken. So kann über die Zeit sogar Misstrauen in der Partnerschaft entstehen.

Kurzfristig ist Reden schwerer. Langfristig ist es fast immer der einfachere Weg.

Die Angst, nicht aufgefangen zu werden

Hinter dem Schweigen steckt oft eine konkrete Angst: Was, wenn ich mich öffne und es kommt nicht an? Was, wenn ich mich fallen lasse und niemand fängt mich auf?

Marianne nimmt diese Sorge ernst. Sie unterscheidet aber zwei Situationen. In Beziehungen, in denen man ohnehin streng oder abwertend miteinander umgeht, ist ein offenes Gespräch tatsächlich schwierig. In den meisten Partnerschaften ist die Sorge jedoch eine andere: „Ich will den anderen nicht verletzen.“ Dort funktionieren solche Gespräche meistens gut.

Gerade Paare, die sich grundsätzlich wohlgesonnen sind und viel teilen, geraten oft in eine plötzliche Sprachlosigkeit. Sie fragen sich insgeheim: Hält unsere Beziehung das aus? Jahrelang waren die Rollen klar verteilt – einer hat alles geregelt, der andere hat ihm etwas anderes abgenommen. Jetzt verschiebt sich das.

Dann hilft es, gemeinsam hinzuschauen: Was hat sich verändert? Wie geht es mir damit? Und ganz wichtig: Wie geht es dir damit?

Angehörige dürfen dabei auch sagen, was ihnen fehlt. Zum Beispiel: „Früher sind wir 60 Kilometer Rad gefahren. Das vermisse ich.“ Das ist kein Vorwurf und sagt nichts darüber aus, ob man den anderen noch liebt. Es ist die ehrliche Grundlage für die Frage: Wie bekommen wir diese Gemeinsamkeit auf neue Weise zurück?

Kleinere Brötchen sind auch Brötchen

Der Maßstab muss nicht die 60-Kilometer-Tour sein. Der Maßstab kann sein, gemeinsam draußen auf dem Rad zu sitzen und Spaß zu haben – auch wenn es nur zehn Minuten sind.

Und wenn Radfahren gar nicht mehr geht? Dann lohnt die Frage, was eigentlich das Schöne daran war. Vielleicht fährt die Familie Rad, und man selbst kommt mit dem Auto nach und bereitet das Picknick vor. Es muss nicht genau das Alte sein, sondern ein Schritt in diese Richtung. Da ist meist viel mehr Spielraum, als man zunächst denkt.

Wer bin ich, wenn ich nicht mehr alles schaffe?

Sprachlosigkeit entsteht nicht nur zwischen zwei Menschen. Oft beginnt sie in einem selbst. Viele Betroffene halten an einem inneren Bild fest: Ich muss doch die ganze Wohnung putzen können. Ich muss doch meinen Job schaffen. Wenn das nicht gelingt, ziehen sie sich ganz zurück – aus Scham, nicht mehr zu genügen.

Dahinter steckt eine tiefe Frage: Wer bin ich in meiner Familie, wenn ich nicht mehr der oder die bin, die ich war? Welchen Platz habe ich dann noch?

Marianne erlebt in gemeinsamen Gesprächen mit Paaren immer wieder einen berührenden Moment. Die betroffene Person zweifelt massiv an sich. Und der Partner sagt: „Das Schlimmste für uns ist, mit anzusehen, wie sehr du an dir zweifelst. Wir lieben dich so, wie du bist. Du bist doch nicht dein Acht-Stunden-Tag oder die Zahl der gesaugten Zimmer.“ Angehörige fühlen sich dann oft hilflos, weil ihnen nicht geglaubt wird.

Sie erzählte von einem Patienten, der sein Leben lang viel für seine Familie gearbeitet hat. Nun kann er das nicht mehr und glaubt, die Familie im Stich zu lassen. Dabei ist er für alle der wichtigste Opa. Er hat den Rahmen geschaffen, in dem sich mehrere Generationen treffen. Alle lieben ihn – genau so, wie er ist.

Menschen bestehen aus viel mehr als ihrer Leistung. Das zu glauben, fällt schwer. Es von den eigenen Angehörigen zu hören, kann viel bewirken. Auch deshalb lohnt das Gespräch.

Wichtig dabei: Sich mit Schmerzen zwischendurch zurückzuziehen, ist völlig normal und oft nötig. Ruhepausen gehören dazu. Schwierig wird es erst, wenn man sich ganz aus dem Familienleben herausnimmt.

Die Wasserstandsmeldung: zwischen Jammern und Schweigen

Fast jeder kennt jemanden, der jammert – die Tante, bei der jedes Gespräch beim selben Thema landet und alles furchtbar ist. So will niemand sein. Also sagen viele lieber gar nichts. Beides hilft nicht.

Marianne beschreibt, was Jammern ausmacht: Es dreht sich immer im Kreis, hat keine klare Botschaft und macht hilflos – den, der jammert, und den, der zuhört. Denn das Gegenüber weiß nicht, was es damit anfangen soll.

Ihre Alternative ist die „Wasserstandsmeldung“. Eine kurze, klare Info darüber, wie es mir gerade geht und was ich brauche. Zum Beispiel:

  • „Mir geht es gerade nicht so gut. Ich lege mich 20 Minuten hin. Ihr müsst nichts tun, ich komme wieder, wenn ich so weit bin.“

  • „Mir geht es gerade so und so. Kann mich mal jemand in den Arm nehmen?“

  • „Kommt mir gerade bitte alle nicht zu nah.“

Der Kern: Ich übernehme selbst Verantwortung für mein Befinden. Das heißt nicht, alles allein stemmen zu müssen. Es heißt: Ihr müsst nicht in mich hineingeheimnissen, was gerade los ist – ich melde mich. Damit kommen auch die Angehörigen zur Ruhe.

Für Angehörige ist das eine echte Entlastung. Sie müssen nicht mehr deuten, sondern können reagieren.

Zu viel Nähe: Wenn Angehörige alles abnehmen

Nicht jedes Paar driftet durch den Schmerz auseinander. Manche rücken im Gegenteil immer enger zusammen. Der Partner oder die Partnerin nimmt immer mehr ab, bis beide fast miteinander verschmelzen.

Das fühlt sich zunächst gut an: Ich kann mich blind auf dich verlassen. Auf Dauer wird es aber vor allem für den unterstützenden Teil sehr anstrengend.

Marianne hört dazu oft eine typische Klage von Betroffenen: „Er nimmt mir alles ab, ich darf gar nichts mehr selbst machen.“ Ihre Gegenfrage: „Kriegen Sie denn Ihre Grenzen selbst hin?“ Die ehrliche Antwort lautet häufig: „Äh, nein.“

Das ist die andere Seite. Angehörige achten dann ständig darauf, ob der oder die Betroffene sich gerade übernimmt. Sie tragen viel Verantwortung und sind gedanklich permanent im Thema. Auch das ist eine unnatürliche Beziehung.

Hinzu kommt: Die Partnerschaft wird enger im Sinne von schmaler. Alle Gespräche hängen sich am Schmerz fest. Manchmal entsteht ein „Wir zwei gegen die Behandler“. Marianne fragt dann: Was bleibt, wenn dieses Thema einmal wegfällt?

Eine Partnerschaft ist auch ein Ort, an dem beide wachsen sollen – gemeinsam und jeder für sich. Hilfreiche Fragen sind deshalb:

  • Welche anderen Themen hatten wir früher, welche haben wir heute?

  • Was können wir gemeinsam neu entdecken – Aktivitäten, Hobbys, Freizeit, die für uns beide neu sind?

  • Was kann jeder von uns für sich selbst tun?

Schmerzverhalten verstehen – ohne Vorwurf

Kommunikation läuft nicht nur über Worte. Ein Beispiel: Jemand setzt sich hin und stöhnt dabei auf. Der eine Partner verdreht die Augen. Die andere springt sofort auf und bringt ein Kissen. Beide Reaktionen haben Folgen für den Menschen mit Schmerzen.

Fachleute sprechen hier von Schmerzverhalten. Gemeint ist alles, womit wir anderen zeigen, dass wir Schmerzen haben: Stöhnen, ein schmerzverzerrtes Gesicht, das ständige Halten oder Reiben einer Körperstelle. Schmerz hat immer auch eine kommunikative Seite. Wie er ausgedrückt wird und wie das Umfeld reagiert, unterscheidet sich zum Beispiel stark zwischen Kulturen.

Marianne erinnert sich an ihre Anfänge in Forschungsprojekten bei Prof. Hasenbring zur Chronifizierung von Rückenschmerzen. Ein Risikofaktor dort lautete sinngemäß: Wenn andere Ihnen den Schmerz schneller ansehen, als Sie ihn aussprechen, steigt das Risiko einer Chronifizierung. Man lernt dann, sein Befinden vor allem über den Schmerz mitzuteilen. Auch die Arbeiten von Herta Flor und Kati Thieme weisen darauf hin, dass ein immer wieder „bedientes“ Schmerzverhalten zur Aufrechterhaltung von Schmerzen beitragen kann.

Das heißt ausdrücklich nicht, dass jemand übertreibt oder seinen Schmerz demonstrativ zur Schau stellt. Schmerzverhalten läuft weitgehend automatisch und unbewusst ab. Die meisten merken gar nicht, dass sie es zeigen. Eine schmerzende Stelle zu halten oder bei einer Attacke einen Laut von sich zu geben, ist völlig normal.

Trotzdem gilt: Wer nicht redet, zeigt eher mehr Schmerzverhalten. Reagiert niemand, wird es oft stärker. Reagiert jemand jedes Mal sofort, kann es sich festigen. Worte sind deshalb der klarere Weg.

Angehörige, die das ansprechen möchten, sollten es freundlich und mit Humor tun – nie als Ertappen nach dem Motto „Da machst du es schon wieder“. Hilfreicher ist eine offene Frage: „Was ist gerade los? Was brauchst du?“ Marianne macht das in ihren Schmerzgruppen ähnlich. Sie bietet Teilnehmenden, die unruhig auf dem Stuhl rutschen, bewusst nicht von sich aus das Aufstehen an. Sie möchte, dass jeder selbst spürt, was er braucht, und es dann auch sagt oder tut.

Für Angehörige: Drei Sätze, die helfen

  1. „Was ist gerade los? Was brauchst du?“ – statt zu raten oder sofort einzuspringen. So bleibt die Verantwortung bei der betroffenen Person, und Sie müssen nicht mehr deuten.

  2. „Wir lieben dich so, wie du bist. Du bist doch nicht dein Acht-Stunden-Tag.“ – für die Momente, in denen jemand an sich zweifelt, weil er nicht mehr alles schafft.

  3. „Ich vermisse unsere Radtouren. Wie können wir so etwas wieder anders hinbekommen?“ – ehrlich sagen, was fehlt, ohne Vorwurf, und gemeinsam nach einer neuen Form suchen.

Erste Schritte: So kommen Sie wieder ins Gespräch

Am Ende unseres Gesprächs habe ich Marianne gefragt, was sie Betroffenen und Angehörigen mitgeben möchte. Ihre Antwort lässt sich in vier Schritte fassen:

  1. Den gemeinsamen Weg anschauen. Gehen wir als Familie noch parallel nebeneinander? Oder driften wir durch den Schmerz langsam auseinander? Schon das bewusste Wahrnehmen ist ein wichtiger Schritt.

  2. Bei sich selbst beginnen. Was ist gerade bei mir los? Was versuche ich vor den anderen zu verbergen? Wogegen arbeite ich innerlich an?

  3. Sich ein Herz fassen und das Gespräch beginnen. Zum Beispiel so: „So geht es mir. Wie geht es dir eigentlich? Ich habe den Eindruck, wir laufen ein bisschen auseinander.“

  4. Keine fertige Antwort erwarten. Sie müssen nicht alles schon sortiert im Kopf haben. Es reicht, zu sagen: „Ich merke, der Schmerz verändert etwas zwischen uns. Ich kann es noch nicht richtig in Worte fassen. Wie ist das bei dir?“

Vielleicht finden beide zunächst keine Worte. Aber dann ist der Elefant im Raum schon einmal beleuchtet. Von dort aus können Sie gemeinsam schauen, wie es weitergeht.

Fazit

Chronischer Schmerz verändert Familien. Das lässt sich nicht verhindern, wohl aber gestalten. Schweigen schont niemanden – es macht beide Seiten einsamer und kann den Schmerz sogar verstärken. Ein ehrliches Gespräch, eine kurze Wasserstandsmeldung oder die Frage „Wie geht es dir damit?“ öffnen dagegen neue Wege.

Das ist kein einmaliges Gespräch, sondern ein Prozess. Fertige Antworten gibt es selten – weder in der Therapie noch zu Hause. Wie Marianne sagt: Auch sie findet ihre Antworten nicht immer sofort. So sind wir alle Menschen.

Die ganze Folge „Schmerz & Familie – Reden wir eigentlich miteinander?“ mit Marianne Lüking können Sie im Podcast nachhören.

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Gideon Franck

Gideon is clinical psychologist, psychotherapist, supervisor, trainer, coach, author and lecturer. He's been specialized in treating chronic pain patients for over 20 years and was honoured with the German Award for Pain Medicine and research in 2022.

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